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Gedanken zu Linux und Windows

Leider gibt es in letzter Zeit mehrere negative Schlagzeilen zu Programmen, die die Computersicherheit gewährleisten sollen. Security-Lösungen, die Netzwerke oder den eigenen PC vermeintlich sicherer machen, werden als Schlangenöl tituliert. Besonders der Blogeintrag eines Ex-Mozilla Mitarbeiters (Robert O'Callahan) zu Anti-Viren Software[1] schlägt in diese Kerbe. Da ich genau in jener Security-Branche arbeite, ist es mir natürlich ein Anliegen, mich mit den Einwänden zu beschäftigen. Da dieses Thema aber sehr umfangreich ist, möchte ich hierzu lieber einen separaten Blogeintrag erstellen. Trotzdem ganz kurz: meiner Meinung nach sind nicht alle Einwände, die gerade durch Presse und Medien gehen, gerechtfertigt. Und zu gewissen Teilen aus der Debatte raten wir unseren Kunden schon seit wir uns mit Security beschäftigen. Das Schlechte an dieser Diskussion ist aber, dass sich alle über die Sicherheits-Branche beschweren, jedoch keine Alternativen aufgezeigt werden. Die Frage, wie man Netzwerke und Computer sicherer macht, bleibt für die Leser und möglicherweise Fachfremde unbeantwortet. Eine konstruktive Diskussion hierzu, statt diesem "Security-Bashing", würde ich wirklich sehr begrüßen.

Da man aber immer erst Mal bei sich selbst Anfangen soll, fasse ich mir an die eigene Nase und überlege, wie ich meine eingefahrene Arbeitsweise mit dem Computer ändern bzw. sicherer gestalten kann. Zum Beispiel bei der Wahl des Betriebssystems, das natürlich in beträchtlichem Maß zur Sicherheit beiträgt. Etwas klischeehaft sei hier der Unterschied zwischen Windows und Linux erwähnt. Auf diese Unterschiede möchte ich jetzt zwar nicht eingehen, aber Fakt ist, dass aktuelle, bekannte Bedrohungen für Windows, unter Linux nicht so einfach umsetzbar sind. Das liegt vor allem an einer anderen Systemarchitektur und gilt für OS X gleichermaßen. Und das bedeutet, dass die Angriffsfläche unter Linux im Moment tatsächlich geringer ist, als unter Windows.
Aufgrund dessen und einer Freundin, die fragte, ob man (bezugnehmend auf meinen Darknet Artikel) für das Surfen im Tor Netz nicht am besten Linux verwendet, nahm ich mir vor, mal wieder meine alte Linux Partition zu booten und zu entstauben. Das alles gab sogar den Ausschlag, darüber nachzudenken, ob ich nicht vielleicht aus mehrerlei Hinsicht wieder "vollständig" unter Linux arbeiten könnte. Früher war das jahrelang kaum ein Problem. Und aktuell sind auch die Pläne aus Redmond, abseits des Sicherheitsthemas, für Windows nicht so rosig. Dort wird nämlich, wie in Mac OS schon vor einigen Jahren, eine Option eingeführt, bei der nur noch Apps aus dem Microsoft Store installiert werden können[2]. Früher oder später wird dies wahrscheinlich eine Einbahnstraße. Angeblich um die Sicherheit zu erhöhen. Aber ich befürchte, dass es eher dazu dient, den Freiraum einzuschränken und mehr Geld zu machen. Kostenpflichte Microsoft Produkte werden dann im obligatorischen App-Store bevorzugt, statt günstige oder kostenlose Alternativen anzubieten. Evtl. werden diese auch nur gegen eine Zahlung in den App-Store aufgenommen. Oder werden selbst dann nicht aufgenommen, weil sie Microsoft Produkten im Weg stehen könnten. Und welcher private Programmierer würde schon ein kostenloses Programm anbieten, wenn er für die Aufnahme in den jeweiligen App-Store Gebühren löhnen muss? Am Apple Store sieht man ja, welche Probleme auf Entwickler und Benutzer zukommen [3] [4] [5] [6] können. Gerade meldet die Presse auch, dass der Dateiexplorer unter Windows bald Werbung einblenden könnte[7]. Irgendwie sieht das alles eher düster aus, in der Microsoft und Apple Zukunft. Noch ein Grund mehr für den Umstieg auf Linux.

Windows

Inzwischen bin ich aber aus der Linux-Missionarszeit raus. Vor einigen Jahren habe ich Alles und Jeden versucht von Linux zu überzeugen. Seit einiger Zeit benutze ich jedoch genauso gern oder ungern Windows wie Linux. Für beides gibt es Für und Wider. Manche Dinge macht man am besten unter Windows. Dazu gehört für mich die Bearbeitung von RAW Bildern aus einer digitalen Kamera (allem voran Lightroom) und - natürlich - Gaming. Aus beruflicher Sicht muss ich auch sagen, dass ich lieber ein Active Directory unter Windows aufsetze und betreibe als ein (Open-)LDAP unter Linux. Und Fileserver unter Windows (für Windows Clients) machen auch am wenigsten Arbeit.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Dienste, die ich lieber unter Linux betreibe. Webserver (Apache, Nginx), DNS, DHCP - um nur wenige zu nennen. Bei Pentests arbeite ich auch ausschließlich unter Linux. Selbst mit Cygwin[8] habe ich unter Windows nicht die gleichen Möglichkeiten.
Cygwin ist auch ein gutes Stichwort... Ich bin wirklich kein Fan von Cygwin. Aber einige Tools sind für meine tägliche Arbeit unumgänglich. Es ist wirklich interessant, wie schwer sich manche Admins tun, Logdateien auseinander zu nehmen. Das geht mit einer Shell und ein paar POSIX Utilities[9] (grep, head, tail, awk, cut, wc) so einfach! Wenn man sich ein bisschen auf die Kommandozeile einlässt (was viele Admins nicht tun), kann man seine Arbeit deutlich beschleunigen. Man bekommt in kürzester Zeit genau die Informationen, die man haben möchte. Viel schneller, als sich irgendwie alles umständlich in einem Editor zu suchen und dann womöglich noch in einen anderen Editor zu kopieren um die Übersicht zu behalten. Da ich auf der Arbeit leider, aus Sicherheitsgründen (Festplattenverschlüsselung), kein Linux verwenden darf/kann, komme ich mit Cygwin aber zumindest annähernd in einen arbeitsfähigen Zustand.

Etwas abgeschweift, wollte ich eigentlich schreiben, dass ich mich inzwischen auch auf dem Desktop unter Windows 8.1 und jetzt Windows 10 gar nicht so unwohl fühle. Ich muss nicht umbooten, wenn ich mal zocken möchte... mein Drucker, Scanner, Webcam, Soundkarte, Grafikkarte, Bluetooth, zusätzliche USB 3.0 Schnittstellen... Alles funktioniert einfach... Ohne Aufwand oder Gebastel. Und auch meistens mehr oder weniger gut nach einem Update. Mal von dem DHCP Problem[10], das nur meine Freundin traf (also 1 von 3 Windows 10 PCs im Haushalt), abgesehen. Allerdings glaubt man kaum, wie ich an mir gezweifelt hab und wie lang ich gedebuggt habe, als ihr PC einfach keine IPv4 Adresse mehr über den DHCP bekommen hat. Zu dem Zeitpunkt war der Windows-Bug leider in der Presse und Google Suche auch noch etwas undefiniert mit "PCs vom Internet abgeschnitten" tituliert. Hmpf.

Und auch Anti-Windows'er müssen zugeben, dass sich die Betriebssystemstabilität gegenüber Windows 2000 oder Windows XP um Längen verbessert hat. Dass mir das Windows so richtig "abgeschmiert" ist, habe ich schon sehr lange nicht mehr erlebt. Um ehrlich zu sein, kann ich mich gerade gar nicht mehr an das letzte Mal erinnern.

Allerdings hat Windows 10 auch Kehrseiten. Stichwort Überwachung [11] [12] [13] [14]. Und diese Kehrseite ist wirklich unangenehm. Obwohl man viel (zumindest auf der Oberfläche) deaktivieren kann[15].

Aber so leid es mir tut: Alles funktioniert unter Windows einfach. Und ja, ich hatte auch mal einen Mac (ein altes PowerBook G4... noch mit PowerPC Architektur und so...). Das ist sicher auch kein schlechtes Betriebssystem. Da ich es aber nur noch ganz selten bei Kunden oder Freunden hin und wieder mal benutze, kann ich das schlecht einem Funktions- und Stabilitätsvergleich unterziehen. Obwohl ich auch nicht sicher bin, wie weit sich Mac OS inzwischen von seinem UNIX Ursprung entfernt hat. Da sind ja inzwischen auch nicht so coole Features drin[16].

Surface

Seit dem, für mich, Erfolg von Windows 10 bin ich sogar privat (teilweise) auf Microsoft Hardware umgestiegen. Das leider doch recht teure Surface Pro 4 begleitet mich aber seit dem, jeden Tag. Für mich ist das Surface Pro 4 genau das, was ich gesucht habe. Tablet und Notebook in einem. Trotzdem sehr leicht. Und mit Intel i7 und 8 GB Ram nicht gerade langsam. "Für Lightroom ist zwar eh jeder PC zu langsam"[17]. Aber Photoshop geht super! Und die Stifteingabe ist so genau, dass ich das Surface tatsächlich häufiger im Tabletmodus zum handschriftlichen mitschreiben verwende. Und dann der Wireless HDMI Adapter von Microsoft... Auf Fotoshootings on-Location kann ich mir damit super schnell große TVs oder Computermonitore kapern, die Bilder direkt darauf darstellen und mit den Personen besprechen. Herrlich einfach! Ihr merkt schon... ich schwärme ein wenig :-). Denn ich kann sogar unterwegs, zumindest bei meinen Projektgrößen, problemlos programmieren. Meist Ruby On Rails. Aber hin und wieder bastel ich auch ein wenig in Visual Studio Express, QtCreator oder NetBeans rum. Das Surface ist also so ein all round Arbeitstier für mich.

Das heißt, privat als auch geschäftlich, ist bei mir Windows viel weiter in den Vordergrund gerückt. Zum einen aus Bequemlichkeit, zum anderen wegen teilweise fehlender Alternativen. Es gibt schon unter Windows kaum eine Equivalent zu Lightroom.

KDE

Andererseits vermisse ich Linux. Vor allem meinen Lieblings-Desktop KDE. Seit dem Vormarsch von Ubuntu kennen die meisten zwar nur Unity bzw. Gnome, aber KDE ist, mit Abstand, der umfangreichste Desktop. Man kann ihn wirklich so unglaublich detailliert Einstellen und Einrichten, dass man sich nach kurzer Zeit gar nicht vorstellen kann, wie man anders arbeiten konnte. Tastenkürzel, Verhalten und Abhängigkeiten... KDE kann sich genau so Verhalten, wie ich es mir wünsche und wie ich am schnellsten Arbeiten kann.

Naja, fast. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Umstellung damals (vor etlichen Jahren) von KDE 3 auf KDE 4 dem Projekt nicht so richtig gut getan hat. Bei dieser Umstellung hat man, meines Wissens nach, den gesamten Quelltext überarbeitet und auf ein anderes Framework umgestellt. Inzwischen ist KDE in Version 5 bzw. Plasma in Version 5 verfügbar und es... äh... naja... es buggt hier und da schon etwas rum. Leider. Ich würde zwar nicht sagen, dass es so Buggy ist, dass es im Sand fährt, aber um ehrlich zu sein, habe ich sogar das Gefühl, dass Fehler, die mich am Anfang von KDE 4 störten, jetzt, Jahre später, in Version 5 immer noch existieren. Bei den Widgets zum Beispiel. Also so kleine Programme[18], die man auf den Desktop legen kann und die z.B. meinen Kalender anzeigen, oder so Technikzeug wie Auslastung des Prozessors, Festplatten Füllstand etc... Irgendwie ist es unmöglich die korrekt in der Größe anzupassen, an einer Stelle zu platzieren und dann zu sperren, damit die genau dort in dieser Größe bleiben. Das geht einfach nicht. Damals nicht und heute auch nicht. Mal stehen nach einer Aktualisierung alle Widgets wie Kraut und Rüben rum. Mal fehlen vereinzelte Widgets nach dem Neustart des ganzen PCs... Benutzt die Dinger keiner außer mir? Liegt es vielleicht an meinem Dual-Monitor Setup? Die Widgets sind fast immer das Erste, was ich nach einer Neuinstallation ausprobiere. Kein KDE-Profil, kein altes Zeug... Alles ganz frisch. Kein alter Krempel. Und es funktioniert trotzdem nicht.

Aber trotz Bugs unter KDE, komme ich mit den Alternativen unter Linux einfach nicht klar. Der Standard Desktop namens Unity[19] von Kali zum Beispiel. Benutzt den jemand? Also so richtig? Kann man den überhaupt benutzen? Oder stellen den eh alle ab? Bzw. stellen den eh alle auf Gnome um? Ich versteh nicht, wie man diese Leiste links so bauen kann. Wenn man mit der Maus nach links fährt, geht sie manchmal auf. Aber nur manchmal. Hat wohl irgendwas mit maximierten Fenstern zu tun. Und wenn sie dann auf geht, sind da manchmal nicht alle Programme minimiert... Also die meisten Programme schon. Aber nicht alle. Vor allem das, was man gerade sucht, ist da dann nicht bei, habe ich das Gefühl. Zugegeben, habe ich mich wenig mit dem Unity Desktop beschäftigt. Aber so richtig intuitiv kann es ja nicht sein, wenn man in etlichen Pentests, nicht hinter die Basiskonzepte des Desktops steigen kann.

HiDPI

Das Allerschlimmste ist aber, egal ob KDE, Gnome[20], Unity oder die Oberfläche von Elementary OS[21]: 4K. Oder UHD. Oder HiDPI[22] - wie man es auch immer nennen möchte - wird nicht unterstützt. Von keinem Linux Desktop. Zumindest nicht annehmbar. Vielleicht käme man noch mit einem einzelnen (oder mehreren gleichen) 4K Monitoren zurecht. Aber Dual-Monitor Betrieb mit unterschiedlichen Auflösungen (UHD und Full HD/WUXGA) geht nicht. Die Unterstützung von HiDPI sieht auch eher so aus: Für Plasma Apps die Fensterskalierung global in den Desktopeinstellungen ändern und global - an einer anderen Stelle - Schriftgröße anpassen. Für GTK Apps wieder an einer anderen Stelle etwas umstellen. Und bei Java sieht es dann nochmal ganz anders aus. Chrome bringt ja auch seinen eigenen Krempel mit. Wenn die Fensterdekoration und der Inhalt skaliert werden, funktioniert das noch nicht Mal innerhalb der Plasma Apps gleich gut. Zum Beispiel gibt es einige KDE-Fenster die keine skalierbaren Icons verwenden. Das führt dann in manchen Situationen zu unlesbaren Darstellungen von Buttons oder Texten (zwar in der Größe okay, aber viel zu pixelig). Stand heute[23] scheint das Thema also leider noch etwas stiefmütterlich behandelt zu werden von den Desktop-Communities.

Dennoch kann man sich zumindest ein wenig drauf einlassen, wenn man etwas Zeit in die Konfiguration investieren kann und möchte.

Allerdings habe ich mich in einem Schnellschuß bei der Freundin, die ich oben bzgl. des surfens im Tor Netz erwähnte, zu der Aussage hinreißen lassen, dass Linux inzwischen auch "mehr oder weniger einfach" funktioniert. Eigentlich muss ich das, nach meinen neuerlichen Erfahrungen wieder etwas relativieren. Leider, leider, leider.

Distributionen

Wenn ich nun wieder intensiver mit Linux arbeiten würde, welche Distribution würde ich nehmen? Oder welche kann ich empfehlen?

Da ich, wie geschrieben, ein KDE Fan bin, dreht es sich bei meiner Distributions-Entscheidung um eine gute KDE Unterstützung. Viele Jahre habe ich sehr intensiv Kubuntu verwendet. Diese Distribution basiert auf dem bekannteren Ubuntu (das allerdings von der Firma Canonical mit Gnome/Unity ausgeliefert wird), das wiederum auf Debian basiert. Vor kurzem ist mir die Distribution vom KDE Team über den Weg gelaufen, das (auch auf Ubuntu Basis) mit KDE Neon[24] eine eigene Distribution voran treibt, die vor allem brandaktuelle KDE Versionen beinhalten soll.

Eine weitere wirklich hübsche Oberfläche hat Elementary OS. Sie erinnert eher an Mac. Und die Entwickler bezeichnen sich auch selbst mehr als Designer statt als Programmierer. Leider gibt es hier im Moment noch gar keine (gute) HiDPI Unterstützung. Selbst habe ich die Unterstützung nicht getestet, aber verschiedene Blogs schreiben aktuell von "HiDPI support is okay"[25]. Okay! Nicht gut oder annhembar! Sorry, da warte ich dann lieber noch mal etwas.

Auf der Arbeit verwende ich für Pentests, wie gesagt, natürlich Kali. Da kommt man einfach nicht drum herum, weil diese Distribution schon alle Tools an Bord hat, die man für Sicherheitstests in Kundenprojekten benötigt. Da stört dann der Unity Desktop, aber meist bin ich eh in einem Terminal und Browser unterwegs, weshalb man über die unintuitive Bedienung noch einmal hinweg sehen kann.

Auf Servern setze ich meistens Debian oder (hin und wieder - je nachdem, wer später den Server administrieren soll) auch "Ubuntu Server" ein.

Ganz früher war ich von Gentoo[26] total begeistert. Da muss man sich aber deutlich intensiver mit dem Betriebssystem bzw. mit Linux beschäftigen. Ein bisschen so wie bei LFS[27], bei dem man sich sein Linux tatsächlich komplett selbst baut. Bei Gentoo habe ich damals viel über Linux gelernt. Nach Tagen des Konfigurierens und Kompilierens (Pentium 4, schnarchlangsame 5400er HDD und damals nur 512 MB Ram!) war es das Größte ein funktionierendes System vor sich zu haben :-). Bis zum nächsten Update...

Viele sind auch begeistert von Arch[28] (das so in die Richtung von Gentoo geht) oder von Slackware[29] (quasi die älteste Linuxdistribution). Diese beiden Distributionen habe ich aber noch nie bedient bzw. getestet.

Ein bisschen habe ich vor einigen Jahren noch mit OpenBSD[30] und FreeBSD[31] rumgespielt. Jedoch nie auf dem Desktop.

Welche Distribution man nehme möchte, ist wie immer Geschmackssache. Kubuntu scheint, wie früher, recht stabil zu sein. Daher habe ich das, nach einem kurzen KDE Neon Exkurs wieder installiert.

virtuell

Die Idee: das Beste aus beiden Welten nutzen. Linux oder Windows in einen virtuellen Gast packen[32] und beide Vorteile genießen. So richtig gut geht das aber, meiner Meinung nach, nicht. Vielleicht bin ich dafür auch zu sensibel. Aber Mausbewegungen in einem virtuellen Gast fühlen sich einfach nicht so genau und präzise an, wie auf echter Hardware. Damit entfällt die Möglichkeit, geschickt in Lightroom in einem Windows Gast zu arbeiten, oder umgekehrt (für alles andere) in einem Linux Gast. Allerdings macht so etwas Ähnliches eine Freundin von mir. Sogar noch intensiver: Sie schneidet in einem Windows Gast auf Linux ihre Stop-Motion Videos. Sie schneidet Videos! In einem virtuellen Gast! Davor hab ich den größten Respekt! Dass sie das rumgeeier nicht leid ist... unglaublich. Aber immer wenn ich mich danach erkundige, hört sie sich ganz zufrieden an.

Egal wie man es dreht und wendet: es gibt diverse Wermutstropfen beim (Wieder-)Umstieg auf Linux. Adobes Lightroom habe ich als größtes Manko ja schon angesprochen. Das hindert mich am meisten an einem gänzlichen Umstieg auf Linux. Aber auch der kleine Passwortsafe Keepass[33] hindert mich so ein wenig daran. Ja, es gibt ihn auch in Version 2 für Linux. Aber das hat halt eben die Nachteile, dass dann z.B. das Autotype-Feature (das ich unter Windows immer benutze) nur über Umwege funktioniert[34]. Außerdem gibt es dann hier wieder Probleme mit der Darstellung (HiDPI weil Mono-App und so)... Also richtig toll benutzbar ist Keepass leider unter Linux nicht. Besser als nix, keine Frage. Aber das nervt irgendwie. Inzwischen benutze ich schon sehr wenig native Anwendungen. Das meiste sind Web-Apps. Selbst geschäftlich sind viele Administrationsoberflächen inzwischen eine Web-App. Aber die letzten nativen Anwendungen tun mir dann umso mehr weh, wenn ich dafür keine ordentliche Alternative finde.

Limux

Schade sind auch Entscheidungen unserer Regierung. Erst vor kurzem wurde das prestiegeträchtige Projekt "Limux" "zerstört"[35]. Die Stadt München hatte vor einigen Jahren alle Karten in der Verwaltung auf OpenSource und damit auch auf Linux gesetzt[36]. Es sollte wohl kaum bis gar kein Windows mehr geben. Sogar auf den Desktops der Endanwender! Und dann vor ein paar Wochen, der Schlag ins Gesicht: Limux wird abgesägt. Dem neuen Bürgermeister war das Projekt eh schon ein Dorn im Auge[37]. Das Furchtbare daran: ein fachfremdes und technisch unversiertes "Politikerpärchen" (Bürgermeister Dieter Reiter (SPD) und zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU)) sprechen sich vehement gegen OpenSource aus. Wenn solche Aussagen tatsächlich getroffen werden und das nicht nur von der Presse aufgebauscht wurde, verschlägt mir das wirklich die Sprache! Und es zeigt, wie unglaublich wenig Ahnung diese beiden Politiker von Dingen haben, über die sie reden. Und wie schlimm es ist, wenn Ahnungslose Leute an solche machtvollen Positionen geraten. Zumal: OpenSource heißt nicht direkt Linux. OpenSource heißt nur, dass man den Quelltext eines Programms einsehen kann. Es gibt auch viele Anwendungen für Windows die OpenSource sind. Und wie kann man sich, als jemand der auch die Verwaltungsausgaben (die der Steuerzahler finanziert) im Blick haben muss, gegen freie Software einsetzen? Schlimmer noch! Er hat das gesamte Limux Projekt geknackt und wahrscheinlich für alle Zeiten für andere Regierungen verbrannt. Entgegen ausdrücklicher Empfehlungen von der Unternehmensberatung Accenture, deren Studie der Stadtrat selbst in Auftrag gegeben hat[38]! Ein herber Schlag für die OpenSource und Linux Community. Sicher: Das Projekt stand nie unter einem guten Stern. Und anhand meiner obigen Ausführung, könnte man ja meinen, dass ich diese Entscheidung (teilweise) nachvollziehen könnte. Aber die Umstände unterscheiden sich doch erheblich voneinander. Im einen Fall müssen rund 33.000 Mitarbeiter mit Linux arbeiten. Im anderen Fall muss nur ich damit arbeiten. Soll heißen: Wenn mir etwas nicht passt, juckt das niemand. Wenn eine Abteilung in München nicht korrekt arbeiten kann, kann man schon darüber nachdenken, das zu ändern. Das ist der Vorteil von Linux. Der Quelltext des Betriebssystems und des Desktops ist verfügbar und man kann ihn dann, mehr oder weniger, einfach anhand seiner Wünsche anpassen. Die gleichen Möglichkeiten hätte ich zwar privat auch. Aber das Verhältnis ist einfach ein anderes. In München sitzen bestimmt ein paar richtig kluge Programmierer, die geschickt Änderungen vornehmen können. Da ich beruflich nicht mehr programmiere, müsste ich mich erst umständlich und sehr zeitaufwendig in diese riesen Projekte einarbeiten.
Ein valides Argument gegen Limux, dass ich von Mitarbeitern der Stadtverwaltung hörte, war zum Beispiel, dass es besonders umständlich sei, mit anderen Behörden (die Windows bzw. Microsoft Office verwenden) Daten auszutauschen. Das glaube ich ungesehen. Um ehrlich zu sein, kenne ich den den aktuellen Stand, zur Kompatibilität zwischen Microsoft Office und OpenOffice oder LibreOffice nicht. Und sicher ist das LibreOffice Excel Penandt auch nicht so umfangreich, wie das von Microsoft. Aber selbst diese Kompatibilitätsprobleme räumte der Chef des kommunalen Dienstleisters IT@M zuletzt aus[39].
Wenn man dem Chef des Dienstleisters Glauben schenken darf und viele/die meisten Fehler gar nicht an Linux lagen, müssten meiner Meinung nach alle Behörden Geld sparen und auf freie Software umsteigen! Die Lizenzgebühren von Microsoft (und natürlich weiteren Programmen wie Office etc) sind sicherlich nicht unerheblich für den Steuerzahler. Wenn dann alle Behörden z.B. LibreOffice verwenden, sollte spätestens dann die Austauschbarkeit wirklich gar kein Problem mehr darstellen.

Natürlich ist das alles nicht so einfach. Aber nach all den Gegenargumenten, die selbst Accenture in ihrem Bericht darstellen, ist die Entscheidung, die da getroffen wurde, Limux zu beerdigen, wieder nur haarsträubend. Zumal die Accenture Studie wirklich schlimme Details zu Tage fördert, die nicht im Geringsten etwas mit OpenSource und Linux zu tun haben. Und wie viel Geld für die darin getroffenen Aussagen ausgegeben wurde[40] - das hätten wahrscheinlich richtige Experten günstiger und besser hinbekommen. Alles zu Lasten des Steuerzahlers.

Abschluss

Mit diesem Artikel wollte ich meine Leser an den Gedanken zum Thema "Linux und Windows" teilhaben lassen. Denn auch ich stoße auf die einen oder anderen Unwägbarkeiten, trotz vieler und jahrelanger Linuxerfahrung. Das Konzept (der freien Software) überzeugt mich. Erst Recht im Hinblick auf Sicherheit und Datenschutz. Selbst die Benutzbarkeit (mal von dem einen oder anderen Programmierfehlern abgesehen) ist um Klassen umfangreicher/effizienter als unter Windows. KDE hatte z.B. schon sehr lange virtuelle Desktops. Das gibt es jetzt erst seit Windows 10 bei Microsoft. Und selbst dort ist es noch nicht so perfekt wie ich mir das wünschen würde. Schon seit ich das erste Mal mit KDE gearbeitet habe, geht das dort. Oder eine Clipboard Manager. Also ein Programm, das die Zwischenablage (Kopieren/Einfügen) verwaltet. Das muss man unter Windows erst umständlich mit z.B. Ditto[41] nachinstallieren. Geht unter Linux (nicht nur unter KDE) schon sehr lange out-of-the-box. Und wer diesen Luxus einmal verwendet hat, möchte gar nicht mehr anders.

Trotzdem werde ich es weiter versuchen und mal wieder so viel wie möglich auf Linux umstellen. Vielleicht ist die Integration von der Virtualisierung auch besser geworden. Dann kann man vielleicht doch Windows mit Lightroom in einem virtuellen Gast benutzen.

Wen das anregt, sich doch einmal mit Linux (auch auf dem Desktop) zu beschäftigen, kann sich gerne bei mir melden :-). Wer z.B. für das Studium eh nur den Browser (viel ist ja heute als Web-App verfügbar), PDF-Reader und LaTeX benutzt, der kann ja vielleicht mal Linux testen. Firefox, Chrome(ium) gibt es natürlich auch für Linux :-). Damit möchte ich jetzt nicht missionieren, sondern ich möchte anderen den Zugang zu Linux erleichtern.

Update 07.04.2017 - Ubuntu Unity

Zum Thema Linux Desktop: Fabian A. Scherschel schlägt in seinem Kommentar auf heise[42] in die gleiche Kerbe. Der Unity Desktop wird begraben. Zitat: "Keiner wollte Fenster-Buttons auf der linken Seite oder globale Menüs und niemand sehnte sich nach Touch-Bedienung auf einem Bildschirm ohne Touch-Funktion. Gnome 3 mag, vor allem am Anfang, weit entfernt von Perfektion gewesen sein, aber Unity hat es trotzdem geschafft, einen noch zäheren, unpraktischeren Desktop zu liefern."
Genau!
Vielleicht trifft Kali Linux demnächst die Entscheidung auf KDE zu wechseln :-).

Fußnoten


  1. http://robert.ocallahan.org/2017/01/disable-your-antivirus-software-except.html - Fefe schreibt auch immer wieder etwas dazu, zum Beispiel: https://blog.fefe.de/?ts=a63f06d3 ↩︎

  2. https://www.golem.de/news/windows-10-creators-update-optionale-einstellung-erlaubt-nur-noch-apps-aus-dem-store-1702-126410.html - bzw. Primärquelle: https://mspoweruser.com/microsoft-just-added-the-best-way-of-preventing-installation-of-bloatware-in-windows-10/ ↩︎

  3. https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/App-Store-Verwirrung-um-neue-Einschraenkungen-3649199.html ↩︎

  4. https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Abgelaufene-Apple-Entwickler-Zertifikate-bringen-Mac-Apps-zum-Absturz-3631040.html ↩︎

  5. https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Apple-Music-entfernt-Offline-Musik-wenn-Plattenfirmen-das-wuenschen-3622024.html ↩︎

  6. https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Apple-nimmt-offenbar-iranische-Apps-aus-dem-App-Store-3610920.html ↩︎

  7. https://blog.fefe.de/?ts=a63f06d3 ↩︎

  8. Zitat, Wikipedia: "Mit Cygwin [ˈsɪɡwɪn] lassen sich Computerprogramme, die üblicherweise unter POSIX-Systemen wie GNU/Linux, BSD und Unix laufen, auf Microsoft Windows portieren. Es ist eine Kompatibilitätsschicht, die die Unix-API für verschiedene Versionen von Windows zur Verfügung stellt, auf deren Basis eine Vielzahl von Programmen aus der Unix-Welt unter Windows übersetzt werden kann." - https://www.cygwin.com/ ↩︎

  9. http://www.one-serve.com/tools/unix_commands.php ↩︎

  10. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Windows-10-Computer-vom-LAN-und-Internet-abgeschnitten-3567942.html ↩︎

  11. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Windows-10-EU-Kontrolleure-beklagen-Microsofts-anhaltende-Datensammelei-3632039.html ↩︎

  12. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Electronic-Frontier-Foundation-kritisiert-Upgrade-Praxis-und-Datensammelwut-von-Windows-10-3298533.html ↩︎

  13. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Datenschutz-bei-Windows-10-Verbraucherschuetzer-verklagen-Microsoft-3120481.html ↩︎

  14. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Windows-10-und-Datenschutz-Microsoft-will-Transparenz-verbessern-3593984.html ↩︎

  15. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Windows-10-Datensammelwut-beherrschen-2774941.html ↩︎

  16. Zitat, Golem: "Sämtliche iCloud- und Aufräumfunktionen hinterlassen bei uns damit ein sehr ungutes Gefühl. Dateien verschwinden, wenn sich der Anwender nachträglich gegen die Cloud-Integration entscheidet, und das als Designentscheidung. Das schockiert uns regelrecht." ↩︎

  17. Zitat aus irgendeinem YouTube Video von Stephan Wiesner, bzw. den YouTube Channel: https://www.youtube.com/channel/UC49whJg4qljZoV8vH6R7H-A ↩︎

  18. https://wiki.ubuntuusers.de/Plasma/Miniprogramme/ ↩︎

  19. https://unity.ubuntu.com/ ↩︎

  20. https://www.gnome.org/ ↩︎

  21. https://elementary.io/ ↩︎

  22. Abkürzung für: "High Dots per Inch" ↩︎

  23. 04.03.2017 ↩︎

  24. https://neon.kde.org/ ↩︎

  25. Reddit, Elementary OS Loki HiDPI Experience And Tips ↩︎

  26. https://www.gentoo.org/ ↩︎

  27. LFS ist die Abkürzung für "Linux from Scratch" - Zitat: "Linux From Scratch (LFS) is a project that provides you with step-by-step instructions for building your own custom Linux system, entirely from source code." - http://www.linuxfromscratch.org/ ↩︎

  28. https://www.archlinux.org/ ↩︎

  29. http://www.slackware.com/ ↩︎

  30. "Only two remote holes in the default install, in a heck of a long time!" - https://www.openbsd.org/ ↩︎

  31. https://www.freebsd.org/ ↩︎

  32. https://de.wikipedia.org/wiki/Virtualisierung_(Informatik) - zum Beispiel den kostenlosen: VMWare Workstation Player: https://my.vmware.com/en/web/vmware/free#desktop_end_user_computing/vmware_workstation_player/12_0 oder Oracles Virtual Box: https://www.virtualbox.org/wiki/Downloads ↩︎

  33. Siehe meinen Blogartikel zur Passwortsicherheit, wo Keepass erwähnt wird: https://blog.actinoide.de/passwortsicherheit/ ↩︎

  34. Zumindest gehts nicht ohne Gebastel: https://thelinuxexperiment.com/set-up-keepass-auto-type-on-linux/ oder https://sourceforge.net/p/keepass/discussion/329220/thread/9ba18985/?limit=25 ↩︎

  35. https://www.golem.de/news/muenchen-wie-limux-unter-ausschluss-der-oeffentlichkeit-zerstoert-wird-1702-126205.html ↩︎

  36. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Linux-in-Muenchen-Alle-Rechner-sind-migriert-2065559.html ↩︎

  37. http://derstandard.at/2000003144506/Bin-Microsoft-Fan-Muenchner-Buergermeister-kritisiert-Linux-in-Stadtverwaltung ↩︎

  38. https://www.golem.de/news/limux-muenchner-stadtrat-ignoriert-selbst-beauftragte-studie-1702-126175.html ↩︎

  39. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Muenchner-IT-Leiter-zu-LiMux-Es-gibt-keine-groesseren-technischen-Probleme-3644868.html und https://www.golem.de/news/muenchen-it-manager-weist-kritik-an-limux-zurueck-1703-126554.html ↩︎

  40. https://www.golem.de/news/muenchner-it-auf-dem-pruefstand-diese-studie-ist-schlecht-fuer-meinen-blutdruck-1603-119698.html ↩︎

  41. http://ditto-cp.sourceforge.net/ ↩︎

  42. https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Ubuntu-ist-Groessenwahn-3677392.html ↩︎

Gedanken zu Linux und Windows
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